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Hexe: Bedeutung, Geschichte und moderne Sicht heute

Henry Harry Cooper Bennett • 2026-07-30 • Gepruft von Oliver Weber

Kaum ein Wort hat eine so erstaunliche Wandlung durchgemacht wie „Hexe“ – von der teuflischen Gestalt, vor der sich ganze Dörfer fürchteten, bis zur selbstbewussten Selbstbezeichnung moderner Frauen. Dieser Artikel zeigt, was eine Hexe heute ausmacht, wo ihre historischen Wurzeln liegen und warum der Hexenglaube auch im 21. Jahrhundert noch tödliche Folgen haben kann.

Erste dokumentierte Hexenverbrennung: 1275 in Toulouse ·
Geschätzte Opfer in Europa: 40.000 – 60.000 ·
Wortherkunft: althochdeutsch „hagazussa“ ·
Aktuelle Länder mit Hexenverfolgung: Nigeria, Tansania, Indien, Papua-Neuguinea

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten auf einen Blick zusammen.

Vier Schlüsselfakten auf einen Blick – was Sie über die Hexe wissen sollten.
Merkmal Wert
Herkunft des Wortes althochdeutsch „hagazussa“ (Zaun- oder Heckenreiterin)
Erstes deutsches Gesetz gegen Hexerei Constitutio Criminalis Carolina (1532)
Anzahl der Hexenprozesse in Europa ca. 100.000, davon 40.000–60.000 Todesurteile (Encyclopaedia Britannica)
Moderne Hexenreligion Wicca (gegründet 1954 von Gerald Gardner)

Was ist eine Hexe?

Definition und Etymologie

  • Der Begriff „Hexe“ stammt aus dem Althochdeutschen – die älteste bekannte Form ist „hagazussa“, was so viel wie „Zaun- oder Heckenreiterin“ bedeutet (GRIN (wissenschaftliche Publikationsplattform)).
  • Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet „Hexe“ im Volksglauben meist eine weibliche Person mit Zauberkräften; der Begriff wird auch abwertend für eine als bösartig empfundene Frau verwendet (Wikipedia (de) (offene Enzyklopädie)).
  • Die historische Hexenverfolgung verband Vorwürfe von Schadzauber, Unheil, Unwettern und Missernten mit angeblicher teuflischer Konspiration (NDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)).

Hexe im Volksglauben

Im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Volksglauben war die Hexe eine ambivalente Figur: Einerseits verfügte sie über geheimes Wissen über Heilkräuter und Geburtshilfe, andererseits wurde ihr der Pakt mit dem Teufel und die Fähigkeit zugeschrieben, Schaden zuzufügen. Diese Mischung aus Ehrfurcht und Angst machte die Hexe zu einer der beständigsten Gestalten des europäischen Aberglaubens.

Hexe in der modernen Bedeutung

Der Begriff wird heute völlig anders verwendet. In neopaganen Bewegungen wie der Wicca-Religion bezeichnen sich Frauen und Männer selbstbewusst als Hexen und verbinden dies mit einer naturverbundenen Spiritualität (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)). Die frühere Stigmatisierung weicht einer positiven Selbstermächtigung – ein kultureller Wandel, der in Filmen, Serien und sozialen Medien weiter verstärkt wird.

Der Wandel

Die Hexe durchlief eine radikale Transformation: Vom gefürchteten Teufelsbündnis zur feministischen Ikone – was vor 500 Jahren ein Todesurteil bedeuten konnte, ist heute für viele eine identitätsstiftende Selbstbezeichnung.

Die Implikation: Derselbe Begriff kann gesellschaftliche Ängste oder Emanzipationsbestrebungen spiegeln – je nach historischem und kulturellem Kontext.

Wann gilt man als Hexe?

Kriterien der Hexenverfolgung

  • Im 15. bis 18. Jahrhundert galten Menschen als Hexen aufgrund von Denunziation, Folter oder eigenen Geständnissen (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)).
  • Typische Vorwürfe waren der Teufelspakt, Schadenzauber und die Teilnahme am Hexensabbat (NDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)).
  • Die europäische Hexenverfolgung konzentrierte sich vor allem auf die frühe Neuzeit, zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)).

Geständnisse unter Folter

Historiker schätzen, dass die meisten Geständnisse unter Anwendung schwerer Folter zustande kamen – oft genügte eine einzige Denunziation, um die gesamte Maschinerie der Hexenprozesse in Gang zu setzen. Etwa 100.000 Anklagen gab es in Europa, zwischen 40.000 und 60.000 Menschen wurden hingerichtet (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)). Die Mehrzahl der Opfer waren Frauen.

Was das bedeutet

Die Hexenverfolgung war kein Randphänomen, sondern ein systematisches Instrument der Kontrolle – vor allem über Frauen. Das Verfahren zur Unterwerfung wirkte über Jahrhunderte und prägte das kollektive Gedächtnis Europas.

Das Muster: Sobald Angst vor Schadzauber entstand, reichte ein bloßer Verdacht für eine Anklage. Die Kombination aus staatlicher Gerichtsbarkeit und volkstümlichem Aberglauben machte die Hexenprozesse so verheerend.

Was ist typisch für eine Hexe?

Äußere Merkmale

  • Häufige Attribute: Besen, Kessel, schwarze Katze, spitzer Hut – diese Merkmale haben sich im europäischen Volksglauben verfestigt.
  • Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Bilddarstellungen von Hexen auf Besen reitend (NDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)).
  • Die stereotype Warze auf der Nase und die grüne Hautfarbe sind dagegen Erfindungen der modernen Popkultur, vor allem aus Filmen.

Hexennamen

Typische Hexennamen aus Geschichte und Mythologie sind Walpurgis (abgeleitet vom Fest der Walpurgisnacht), Isolde (aus der Artussage) und Hekate (die griechische Göttin der Magie). Diese Namen verbinden die Figur der Hexe mit uralten mythologischen Traditionen und rituellen Praktiken.

Zauberkräfte

Im Volksglauben verfügt eine Hexe über Kräfte wie Verwandlung (etwa in einen Raben oder eine Katze), die Fähigkeit, Unwetter heraufzubeschwören, Flüche auszusprechen oder Heilkunde zu praktizieren. Diese Fähigkeiten wurden im Mittelalter als Beweis für einen Teufelspakt gewertet.

Der Trade-off: Was heute als magisches Weltbild romantisiert wird, kostete im Mittelalter Zehntausenden das Leben. Die Trennung zwischen Heilkunst und Schadenzauber war fließend und hing oft vom sozialen Status der betroffenen Frau ab.

Wie erkennt man eine Hexe heute?

Moderne Hexen

  • Heute erkennen sich viele Hexen selbst als Anhänger naturreligiöser Bewegungen (zum Beispiel Wicca) (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)).
  • Die Wicca-Religion wurde 1954 von Gerald Gardner gegründet und versteht sich als moderne Fortsetzung alter Naturkulte.
  • In sozialen Medien wie TikTok verbreiten sich Inhalte über „Hexen“ und magische Praktiken rasant – oft als spirituelle Selbsthilfe verpackt.

Hexenverfolgung in Entwicklungsländern

In einigen Ländern werden Menschen noch heute fälschlich als Hexen beschuldigt und verfolgt (Wikipedia (de) (offene Enzyklopädie)). Die Ursachen reichen von traditionellem Aberglauben bis zu gezielten Landkonflikten. Hilfsorganisationen wie UNICEF versuchen, gegen diese Praktiken vorzugehen – mit begrenztem Erfolg.

Der Paradox

Während in westlichen Gesellschaften der Begriff „Hexe“ eine Renaissance als feministisches Symbol erlebt, werden in Afrika und Asien immer noch Menschen getötet, weil ihre Nachbarn sie für Hexen halten – zwei gegensätzliche Realitäten unter demselben Begriff.

Der Knackpunkt: Die positive Umdeutung der Hexe im Westen ändert nichts daran, dass der Hexenglaube in anderen Teilen der Welt weiterhin tödliche Folgen hat. Wer heute über „Hexen“ spricht, muss beide Realitäten benennen.

In welchen Ländern gibt es heute noch Hexenverfolgung?

Länder mit aktueller Hexenverfolgung

  • Hexenverfolgung kommt heute vor allem in Nigeria, Tansania, Indien und Papua-Neuguinea vor (Wikipedia (de) (offene Enzyklopädie)).
  • In vielen Regionen der Welt werden Hexen und angebliche Hexerei auch im 21. Jahrhundert noch verfolgt (Wikipedia (de) (offene Enzyklopädie)).
  • Eine moderne historische Deutung beschreibt Hexenbezeichnungen als Stigmatisierung, die aus Angst oder gezielter Herabsetzung entsteht (Deutsche Welle (öffentlich-rechtlicher Auslandssender)).

Ursachen und Bekämpfung

Die Ursachen der heutigen Hexenverfolgung sind komplex: Armut, fehlende Aufklärung, Landkonflikte und politische Instabilität spielen eine Rolle. In Nigeria beispielsweise werden vor allem ältere Frauen und Kinder beschuldigt, und allein in den letzten Jahren gab es Hunderte Todesfälle. Internationale Organisationen versuchen, durch Bildungsprogramme und Rechtshilfe gegenzusteuern.

Das Fazit für Entscheider: Für Hilfsorganisationen in den betroffenen Regionen ist die Bekämpfung von Hexenglauben eine kulturelle und rechtliche Herausforderung: Aufklärung allein reicht nicht, solange lokale Machtstrukturen den Aberglauben instrumentalisieren.

Zeitleiste der Hexenverfolgung

Die Zeitleiste zeigt die Entwicklung der Hexenverfolgung über die Jahrhunderte.

Sieben Meilensteine, die den Bogen von der ersten Verbrennung bis zur heutigen Situation spannen.
Zeitraum Ereignis Bedeutung
Erste dokumentierte Hexenverbrennung in Toulouse Beginn der justiziellen Verfolgung von Hexerei in Europa
Erscheinen des Hexenhammers (Malleus Maleficarum) Standardwerk der Hexenverfolgung – begründete theologische Basis
Constitutio Criminalis Carolina Erstes reichsweites deutsches Gesetz, das Hexerei unter Strafe stellte
Höhepunkt der Hexenverfolgung in Europa Tausende Prozesse jährlich, vor allem im Heiligen Römischen Reich
Letzte Hinrichtung in Europa (Anna Göldi, Schweiz) Ende der justiziellen Hexenverbrennungen in Europa
Gründung der Wicca-Religion Beginn der modernen neopaganen Bewegung und positiven Umdeutung
Anhaltende Verfolgung in Afrika und Asien Hunderte Tote jährlich trotz internationaler Aufklärungsarbeit

„Die Hexenverfolgung war ein System zur Unterwerfung von Frauen, das mit religiösen und rechtlichen Mitteln über Jahrhunderte perfektioniert wurde.“

– Historiker Wolfgang Behringer, zitiert nach NDR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

„Hexe – die Bezeichnung für eine weibliche Person, der Zauberkräfte nachgesagt werden, oft verbunden mit der Vorstellung von Bösartigkeit oder teuflischer Beeinflussung.“

– Definition des DWDS (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache)

Die historische Entwicklung zeigt eine klare Verschiebung: Von der physischen Bedrohung durch den Scheiterhaufen hin zur kulturellen Metapher – und zur anhaltenden realen Gefahr in anderen Regionen. Der Begriff „Hexenjagd“ wird im Deutschen heute übertragen verwendet, wenn Personen oder Gruppen öffentlich und unverhältnismäßig angegriffen werden (de-academic (Online-Lexikon)). Eine Parallele, die durch die McCarthy-Ära in den USA neue Bedeutung erhielt (Encyclopaedia Britannica (historisches Nachschlagewerk)).

Fazit: Die Hexe ist keine bloße Märchenfigur, sondern ein Abbild gesellschaftlicher Ängste und Machtverhältnisse. Historiker sollten anerkennen, dass die Aufarbeitung der Hexenverfolgung noch lange nicht abgeschlossen ist; für die Politik in betroffenen Ländern bleibt der Schutz angeblicher Hexen eine drängende humanitäre Aufgabe.

Die Bezeichnung ‘Hexe’ wurde im 20. Jahrhundert auch zur Stigmatisierung von NS-Täterinnen wie Ilse Koch, die sogenannte Hexe von Buchenwald verwendet, deren Fall bis heute Mythen umrankt.

Häufig gestellte Fragen

Sind Hexen real?

Als übernatürliche Wesen mit Zauberkräften sind Hexen nicht real. Allerdings gibt es reale Menschen, die sich selbst als Hexen bezeichnen (etwa in der Wicca-Religion), und es gibt reale Personen, die fälschlich als Hexen beschuldigt und verfolgt werden.

Kann man selbst eine Hexe werden?

Ja – viele neopagane Bewegungen wie Wicca bieten Einführungsrituale an. Der Eintritt erfolgt meist durch eine Selbstinitiation oder die Aufnahme in einen Coven (Hexenzirkel). Es gibt keine zentrale Autorität, die den Status einer Hexe verleiht.

Was ist der Unterschied zwischen einer Hexe und einem Zauberer?

Historisch wurde „Hexe“ fast ausschließlich für Frauen verwendet, während „Zauberer“ die männliche Entsprechung war. In modernen neopaganen Traditionen sind die Begriffe jedoch geschlechtsneutraler geworden – Wicca bezeichnet seine Anhänger beiderlei Geschlechts oft als Hexen.

Welche Rolle spielt die Hexe in der Kinderliteratur?

In der Kinderliteratur ist die Hexe eine der konstantesten Figuren – von der bösen Hexe in „Hänsel und Gretel“ über die freundliche Hexe in „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler bis zur kultigen Glinda im „Zauberer von Oz“. Die Darstellung schwankt zwischen Bedrohung und komödiantischer Figur.

Wie viele Hexen gibt es heute weltweit?

Die Zahl der Anhänger neopaganer Bewegungen wird auf mehrere Millionen geschätzt. Wicca ist in den USA, Großbritannien und zunehmend in deutschsprachigen Ländern verbreitet. Genaue Statistiken gibt es nicht, da viele Anhänger keine organisierte Mitgliedschaft haben.

Wird Hexenverfolgung heute strafrechtlich verfolgt?

In den meisten Ländern ist die Beschuldigung und Verfolgung von angeblichen Hexen selbst strafbar. In Nigeria und Indien gibt es spezielle Gesetze gegen Hexenjagden. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig, da Täter oft aus lokalen Gemeinschaften kommen und Zeugen schweigen.

Was bedeutet der Begriff „Hexenjagd“ im politischen Kontext?

Der Ausdruck „Hexenjagd“ wird heute metaphorisch für öffentliche Kampagnen gegen vermeintliche Gegner verwendet – besonders bekannt aus der McCarthy-Ära in den USA (Encyclopaedia Britannica). Im Deutschen hat sich diese übertragene Bedeutung ebenfalls etabliert (de-academic).

Für Leser, die sich weiter informieren möchten: Die Begriffe „Hexe“ und „Hexenjagd“ sind tief in der europäischen Kulturgeschichte verwurzelt, aber ihr Verständnis erfordert einen Blick über den eigenen Kulturkreis hinaus. Wer die reale Verfolgung in Afrika und Asien ignoriert, reduziert die Hexe auf eine westliche Popkulturfigur – und übersieht die anhaltende humanitäre Krise.

Weiterführende Beiträge zum Thema: Handelsstreit: Definition, Ursachen und aktuelle Beispiele zeigt, wie aus Konflikten soziale Dynamiken entstehen – ähnlich der Dynamik von Hexenjagden. Und Gore Bedeutung: Definition, Herkunft und Verwendung folgt derselben Struktur: ein Begriff, seine Geschichte, seine moderne Verwendung – genau wie bei der Hexe.

Abschließend bleibt festzuhalten: Die Hexe ist ein vielschichtiges Phänomen, das von historischer Unterdrückung bis zu moderner Selbstermächtigung reicht. Die Verantwortung, den Begriff differenziert zu betrachten, liegt bei jedem Leser.



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