Privatinsolvenz: Pfändung, Konto, Kosten, Restschuldbefreiung

Wer nach „Privatinsolvenz“ sucht, will selten Paragrafen lesen, sondern wissen, was am Monatsende übrig bleibt. Für Anträge seit dem 01.10.2020 dauert die Wohlverhaltensphase in der Regel drei Jahre ab Verfahrenseröffnung (Finanztip (Verbraucherfinanzportal)).
Rechtsgrundlage Restschuldbefreiung: §§ 286–303 InsO · Dauer Wohlverhaltensphase: in der Regel drei Jahre · Pfändungsschutz Einkommen: § 850c ZPO (Pfändungstabelle) · Kontoschutz: Pfändungsschutzkonto nach § 850k ZPO
Kurzüberblick
- Die Wohlverhaltensphase dauert in der Regel drei Jahre (Verbraucherzentrale (Verbraucherschutzorganisation))
- Für Verfahren mit Antrag zwischen dem 01.07.2014 und dem 30.09.2020 war Restschuldbefreiung im Regelfall nach sechs Jahren vorgesehen, vorzeitig nach drei Jahren bei 35 % Quote (Bundesministerium der Justiz (Gesetzgeber-Ratgeber))
- Für Anträge seit dem 01.10.2020 entfällt die Mindestquote; laut Finanztip (Verbraucherfinanzportal) gilt die Drei-Jahres-Frist ab Eröffnung. (Verbraucherzentrale (Verbraucherschutzorganisation))
- Unpfändbarer Grundbetrag beim Arbeitseinkommen seit 01.07.2026: 1.587,40 € monatlich (AmtsGuide (Ratgeber Privatinsolvenz))
- Jede natürliche Person kann ihr Girokonto in ein P-Konto umwandeln lassen (Gesetz-Ratgeber (Rechtsratgeber Insolvenzrecht))
- Restguthaben bleibt bis zum Ende des Kalendermonats und in den drei folgenden Monaten geschützt (Kanzlei Eckhoff (Anwaltskanzlei))
- Die Restschuldbefreiung erteilt das Insolvenzgericht nach Ablauf der Wohlverhaltensphase (anwalt-kg.de (Anwaltskanzlei Insolvenzrecht))
- Die Verfahrensdauer wurde seit 2020 von sechs auf drei Jahre verkürzt (t-online (Verbraucherredaktion))
- Die Pfändungsfreigrenze wird jährlich zum 1. Juli angepasst (rechtsanwaltkaufmann.de (Anwaltsratgeber))
- Typische Verfahrenskosten: ca. 2.000 bis 4.000 € (Sparkasse (Bankratgeber))
- Stundung der Verfahrenskosten bis zur Restschuldbefreiung nach § 4a InsO (Bundesministerium der Justiz) (Sparkasse (Bankratgeber))
- Ratenzahlung nach der Restschuldbefreiung: höchstens 48 Monate (Bundesministerium der Justiz) (Sparkasse (Bankratgeber))
Die folgende Tabelle fasst die Zahlen zusammen, mit denen Schuldner im Verfahren am häufigsten rechnen.
| Thema | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Wohlverhaltensphase | 3 Jahre ab Eröffnung | Anträge seit 01.10.2020 |
| Unpfändbarer Grundbetrag (Arbeitseinkommen) | 1.587,40 € monatlich | ab 01.07.2026 |
| Einkommen, ab dem das gesamte Mehr pfändbar ist | 4.866,30 € monatlich | Angabe aus anwaltlichem Ratgeber |
| Kontoschutz | P-Konto mit Grundfreibetrag | § 850k ZPO |
| Verfahrenskosten | ca. 2.000 bis 4.000 € | Stundung nach § 4a InsO |
| Ratenzahlung nach Restschuldbefreiung | höchstens 48 Monate | Bewilligung durch das Gericht |
| SCHUFA-Löschung | 6 Monate nach Erteilung | laut Finanztip |
Wie viel Geld bleibt mir monatlich bei einer Privatinsolvenz?
Was bleibt mir zum Leben bei Privatinsolvenz?
Der unpfändbare Grundbetrag beim Arbeitseinkommen liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 1.587,40 € im Monat. Berechnet wird der pfändbare Teil nach der Pfändungstabelle des § 850c ZPO. Wer die eigene Lage durchrechnen will, beginnt mit dem Nettogehalt, etwa mit dem Brutto-Netto-Rechner Deutschland 2026.
Unterhaltspflichten verändern die Rechnung. Laut rechtsanwaltkaufmann.de liegt der Freibetrag 2026 bei einer unterhaltsberechtigten Person bei 2.184,82 €, bei zwei Personen bei 2.517,65 € und bei drei Personen bei 2.850,48 €. Diese Werte stammen aus einer anwaltlichen Quelle und sollten vor der Berechnung am amtlichen Text geprüft werden.
Der Grundbetrag ist eine Untergrenze, kein Budget. Wer ihn als Rechengröße für Miete, Versicherungen und Raten nutzt, plant am Bedarf vorbei.
Was ist alles pfändbar bei Privatinsolvenz?
Pfändbar ist vor allem das Arbeitseinkommen oberhalb der Freigrenze. Ab einem Einkommen von 4.866,30 € monatlich ist nach Angaben von rechtsanwaltkaufmann.de das gesamte darüberliegende Einkommen pfändbar. Während der Wohlverhaltensphase tritt der Schuldner die pfändbaren Bezüge an den Treuhänder ab. Welche anderen Einnahmen geschützt sind, hängt vom Einzelfall ab und sollte mit der Schuldnerberatung geklärt werden.
Falsche Angaben zum Einkommen können nach § 290 InsO zur Versagung der Restschuldbefreiung führen. Vollständige Nachweise sind deshalb die sicherste Grundlage für jede Berechnung.
Wie viel Geld darf man bei Privatinsolvenz auf dem Konto haben?
Das Pfändungsschutzkonto (P-Konto) nach § 850k ZPO schützt den Grundfreibetrag automatisch vor Kontopfändungen. Der Grundfreibetrag lag seit dem 1. Juli 2025 bei 1.555 € (aufgerundet 1.560 €) und steigt zum 1. Juli 2026 auf mindestens 1.587,40 €, so die Sparkasse.
Guthaben oberhalb des geschützten Betrags kann gepfändet werden. Restguthaben bleibt bis zum Ende des Kalendermonats erhalten und ist in den drei folgenden Monaten geschützt. Unterhaltsansprüche lassen sich dagegen trotz P-Konto vollstrecken.
Was darf man bei einer Privatinsolvenz nicht machen?
Mit der Eröffnung geht die Verfügungsbefugnis über das Vermögen auf den Insolvenzverwalter über (§ 80 InsO). Einzelvollstreckungen durch Insolvenzgläubiger sind ab Eröffnung grundsätzlich unzulässig (§ 89 InsO, AmtsGuide).
Verfügungen über pfändbare Beträge ohne Zustimmung können die Restschuldbefreiung gefährden. Nach firma.de nennt § 290 InsO außerdem falsche Angaben, unangemessene Verbindlichkeiten und Vermögensverschwendung als Versagungsgründe.
Neue Schulden während des Verfahrens sind das größte Risiko im Konto-Alltag. Unangemessene Verbindlichkeiten können das Gericht zur Versagung bewegen.
Ein sauber geführtes Konto hält die Gründe für eine Versagung klein.
Wann fliegt man aus der Privatinsolvenz?
Das Verfahren endet nicht mit der Eröffnung. Die Abtretungsfrist beginnt mit der Eröffnung und nicht erst nach dem Ende des Verfahrens (AmtsGuide). Die Abfolge gliedert sich in fünf Schritte:
- Das Insolvenzgericht eröffnet das Verfahren und macht es im Internet bekannt (§ 9 InsO).
- Ab Eröffnung gilt der Pfändungsstopp; die Verfügungsbefugnis liegt beim Insolvenzverwalter (§§ 80, 89 InsO).
- Die Wohlverhaltensphase läuft in der Regel drei Jahre. Pfändbare Bezüge gehen an den Treuhänder.
- Während dieser Zeit gelten Pflichten: Erwerbsobliegenheit, Mitteilung von Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechseln.
- Am Ende entscheidet das Insolvenzgericht über die Restschuldbefreiung, sofern keine Versagungsgründe vorliegen (§ 300 Abs. 1 InsO).
Bin ich nach 3 Jahren Privatinsolvenz schuldenfrei?
Nicht automatisch. Die Restschuldbefreiung wirkt nicht von selbst, sondern nach der Entscheidung des Gerichts. Verstöße gegen Obliegenheiten können zur Versagung führen (§ 296 InsO, Sparkasse).
Die drei Jahre sind der Regelfall, kein Automatismus. Wer seine Pflichten ab dem ersten Monat erfüllt, hat den einfachsten Weg zur Restschuldbefreiung.
Welche Schulden fallen nicht in Privatinsolvenz?
Ausgenommen sind Schulden aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung (§ 302 Nr. 1 InsO, Gesetz-Ratgeber). Auch vorsätzlich nicht gezahlte Unterhaltsschulden und hinterzogene Steuern bleiben nach Angaben der Sparkasse von der Restschuldbefreiung ausgenommen.
Was dem Schuldner nützt
- Pfändungsstopp ab Eröffnung (§ 89 InsO)
- Restschuldbefreiung nach drei Jahren im Regelfall
- Stundung der Verfahrenskosten möglich
Was belastet
- Abtretung pfändbarer Bezüge an den Treuhänder
- Öffentliche Bekanntmachung im Internet
- Ausgenommene Forderungen bleiben bestehen
Die Ausnahmen setzen Vorsatz voraus. Ein Kredit, den der Schuldner nicht zurückzahlen kann, fällt deshalb nicht automatisch unter die Ausnahmen.
Welche Nachteile hat man bei einer Privatinsolvenz?
Wer erfährt alles von einer Privatinsolvenz?
Die Insolvenz wird öffentlich bekannt gemacht (§ 9 InsO) und ist über das Internetportal der Länder einsehbar. Eintragungen im Schuldnerverzeichnis richten sich nach § 882b ZPO. Bei der SCHUFA wird die Restschuldbefreiung nach Angaben von Finanztip sechs Monate nach Erteilung gelöscht.
Wie lebt man mit Privatinsolvenz?
Im Alltag bedeutet das vor allem: Pfändbare Einkünfte fließen an den Treuhänder, Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel sind mitzuteilen, und eine Erwerbsobliegenheit besteht (Gesetz-Ratgeber).
Die Verbraucherinsolvenz dauert im Regelfall drei Jahre, zuzüglich der vorgelagerten außergerichtlichen Einigungsversuche.
Auskunfteien und Banken können die Kreditwürdigkeit einschränken. Wie stark das wirkt, hängt vom Einzelfall ab, und genau deshalb lohnt der Blick auf die Löschfristen vor dem nächsten Kreditantrag.
Die Folgen sind für den Alltag real, aber zeitlich begrenzt. Wer die Löschfristen kennt, plant den nächsten Kreditantrag besser.
Wie hoch sind die Kosten für eine Privatinsolvenz?
Die typischen Verfahrenskosten liegen laut Sparkasse bei ca. 2.000 bis 4.000 €. Ohne pfändbares Vermögen fallen nach Angaben von Finanztip mindestens rund 2.000 € Gebühren an, die sich aus der InsVV ergeben. Eine Privatinsolvenz ist nicht kostenlos: Gerichtskosten und Treuhändergebühren richten sich nach der Insolvenzmasse (t-online).
Die Verfahrenskosten sind bis zur Restschuldbefreiung gestundet (§ 4a InsO). Danach können Raten bewilligt werden, höchstens 48 Monate lang. Prozesskostenhilfe wird im Verfahren nicht erteilt.
Die Verfahrenskosten werden bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung gestundet; danach können Ratenzahlungen für die restlichen Kosten bewilligt werden.
Offen bleibt in den geprüften Quellen einiges:
- Die Gesamtdauer bis zur Schuldenfreiheit mit Eröffnungsverfahren nennt ein Rechner-Portal mit ca. 3,5 bis 4 Jahren. Diese Angabe ist nicht belegt.
- Konkrete Gebührenbeträge nach der InsVV fehlen in den geprüften Quellen.
- Abweichende Pfändungsbeträge kursieren in den Quellen; maßgeblich bleibt der amtliche Text.
Wer die Stundung früh beantragt, verschiebt die Kostenlast auf die Zeit nach der Restschuldbefreiung.
Kurz gesagt: Der Treuhänder verwaltet die pfändbaren Bezüge über die Wohlverhaltensphase. Wer Pflichten verletzt, riskiert die Restschuldbefreiung.
Fazit
Wer das P-Konto früh einrichtet, pfändbare Einkommensteile pünktlich an den Treuhänder abtritt und jede Änderung von Wohnsitz oder Arbeitsplatz meldet, senkt das Risiko, dass das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung versagt.
Häufige Fragen
Wann beginnt die Abtretungsfrist?
Die Abtretungsfrist beginnt mit der Verfahrenseröffnung und endet nicht erst mit dem Abschluss des gesamten Insolvenzverfahrens (AmtsGuide).
Gilt die Drei-Jahres-Frist für alle Verfahren?
Nein. Für Anträge seit dem 01.10.2020 gilt in der Regel drei Jahre. Verfahren mit Antrag zwischen dem 01.07.2014 und dem 30.09.2020 waren im Regelfall auf sechs Jahre angelegt, vorzeitig nach drei Jahren bei Begleichung von 35 % der Schulden und Verfahrenskosten. Bei einem wiederholten Verfahren beträgt die Abtretungsfrist fünf Jahre (AmtsGuide).
Was passiert mit einer Erbschaft während der Wohlverhaltensphase?
Die Hälfte der Erbschaft muss an den Treuhänder abgegeben werden. Ein Lottogewinn ist in voller Höhe abzuliefern (§ 295 Nr. 2 InsO, Finanztip).
Kann man die Verfahrenskosten in Raten zahlen?
Die Kosten sind bis zur Restschuldbefreiung gestundet (§ 4a InsO). Danach können Raten bewilligt werden; die Höchstzahl liegt bei 48 Monaten (Bundesministerium der Justiz).
Wie lange ist die Restschuldbefreiung bei der SCHUFA sichtbar?
Laut Finanztip wird die Restschuldbefreiung sechs Monate nach Erteilung bei der SCHUFA gelöscht.
Gibt es Prozesskostenhilfe für die Privatinsolvenz?
Nein. Im Privatinsolvenzverfahren wird keine Prozesskostenhilfe erteilt (t-online).
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