Zum Inhalt
Nachrichten, Hintergründe & RatgeberÜber BerichtJournal ↗

Privatinsolvenz: Pfändung, Konto, Kosten, Restschuldbefreiung

Veröffentlicht

Wer nach „Privatinsolvenz“ sucht, will selten Paragrafen lesen, sondern wissen, was am Monatsende übrig bleibt. Für Anträge seit dem 01.10.2020 dauert die Wohlverhaltensphase in der Regel drei Jahre ab Verfahrenseröffnung (Finanztip (Verbraucherfinanzportal)).

Rechtsgrundlage Restschuldbefreiung: §§ 286–303 InsO · Dauer Wohlverhaltensphase: in der Regel drei Jahre · Pfändungsschutz Einkommen: § 850c ZPO (Pfändungstabelle) · Kontoschutz: Pfändungsschutzkonto nach § 850k ZPO

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Pfändung und Konto
3Fristen und Folgen
4Kosten

Die folgende Tabelle fasst die Zahlen zusammen, mit denen Schuldner im Verfahren am häufigsten rechnen.

Thema Wert Hinweis
Wohlverhaltensphase 3 Jahre ab Eröffnung Anträge seit 01.10.2020
Unpfändbarer Grundbetrag (Arbeitseinkommen) 1.587,40 € monatlich ab 01.07.2026
Einkommen, ab dem das gesamte Mehr pfändbar ist 4.866,30 € monatlich Angabe aus anwaltlichem Ratgeber
Kontoschutz P-Konto mit Grundfreibetrag § 850k ZPO
Verfahrenskosten ca. 2.000 bis 4.000 € Stundung nach § 4a InsO
Ratenzahlung nach Restschuldbefreiung höchstens 48 Monate Bewilligung durch das Gericht
SCHUFA-Löschung 6 Monate nach Erteilung laut Finanztip

Wie viel Geld bleibt mir monatlich bei einer Privatinsolvenz?

Was bleibt mir zum Leben bei Privatinsolvenz?

Der unpfändbare Grundbetrag beim Arbeitseinkommen liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 1.587,40 € im Monat. Berechnet wird der pfändbare Teil nach der Pfändungstabelle des § 850c ZPO. Wer die eigene Lage durchrechnen will, beginnt mit dem Nettogehalt, etwa mit dem Brutto-Netto-Rechner Deutschland 2026.

Unterhaltspflichten verändern die Rechnung. Laut rechtsanwaltkaufmann.de liegt der Freibetrag 2026 bei einer unterhaltsberechtigten Person bei 2.184,82 €, bei zwei Personen bei 2.517,65 € und bei drei Personen bei 2.850,48 €. Diese Werte stammen aus einer anwaltlichen Quelle und sollten vor der Berechnung am amtlichen Text geprüft werden.

Der Grundbetrag ist eine Untergrenze, kein Budget. Wer ihn als Rechengröße für Miete, Versicherungen und Raten nutzt, plant am Bedarf vorbei.

Was ist alles pfändbar bei Privatinsolvenz?

Pfändbar ist vor allem das Arbeitseinkommen oberhalb der Freigrenze. Ab einem Einkommen von 4.866,30 € monatlich ist nach Angaben von rechtsanwaltkaufmann.de das gesamte darüberliegende Einkommen pfändbar. Während der Wohlverhaltensphase tritt der Schuldner die pfändbaren Bezüge an den Treuhänder ab. Welche anderen Einnahmen geschützt sind, hängt vom Einzelfall ab und sollte mit der Schuldnerberatung geklärt werden.

Falsche Angaben zum Einkommen können nach § 290 InsO zur Versagung der Restschuldbefreiung führen. Vollständige Nachweise sind deshalb die sicherste Grundlage für jede Berechnung.

Wie viel Geld darf man bei Privatinsolvenz auf dem Konto haben?

Das Pfändungsschutzkonto (P-Konto) nach § 850k ZPO schützt den Grundfreibetrag automatisch vor Kontopfändungen. Der Grundfreibetrag lag seit dem 1. Juli 2025 bei 1.555 € (aufgerundet 1.560 €) und steigt zum 1. Juli 2026 auf mindestens 1.587,40 €, so die Sparkasse.

Guthaben oberhalb des geschützten Betrags kann gepfändet werden. Restguthaben bleibt bis zum Ende des Kalendermonats erhalten und ist in den drei folgenden Monaten geschützt. Unterhaltsansprüche lassen sich dagegen trotz P-Konto vollstrecken.

Was darf man bei einer Privatinsolvenz nicht machen?

Mit der Eröffnung geht die Verfügungsbefugnis über das Vermögen auf den Insolvenzverwalter über (§ 80 InsO). Einzelvollstreckungen durch Insolvenzgläubiger sind ab Eröffnung grundsätzlich unzulässig (§ 89 InsO, AmtsGuide).

Verfügungen über pfändbare Beträge ohne Zustimmung können die Restschuldbefreiung gefährden. Nach firma.de nennt § 290 InsO außerdem falsche Angaben, unangemessene Verbindlichkeiten und Vermögensverschwendung als Versagungsgründe.

Neue Schulden während des Verfahrens sind das größte Risiko im Konto-Alltag. Unangemessene Verbindlichkeiten können das Gericht zur Versagung bewegen.

Ein sauber geführtes Konto hält die Gründe für eine Versagung klein.

Wann fliegt man aus der Privatinsolvenz?

Das Verfahren endet nicht mit der Eröffnung. Die Abtretungsfrist beginnt mit der Eröffnung und nicht erst nach dem Ende des Verfahrens (AmtsGuide). Die Abfolge gliedert sich in fünf Schritte:

  1. Das Insolvenzgericht eröffnet das Verfahren und macht es im Internet bekannt (§ 9 InsO).
  2. Ab Eröffnung gilt der Pfändungsstopp; die Verfügungsbefugnis liegt beim Insolvenzverwalter (§§ 80, 89 InsO).
  3. Die Wohlverhaltensphase läuft in der Regel drei Jahre. Pfändbare Bezüge gehen an den Treuhänder.
  4. Während dieser Zeit gelten Pflichten: Erwerbsobliegenheit, Mitteilung von Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechseln.
  5. Am Ende entscheidet das Insolvenzgericht über die Restschuldbefreiung, sofern keine Versagungsgründe vorliegen (§ 300 Abs. 1 InsO).

Bin ich nach 3 Jahren Privatinsolvenz schuldenfrei?

Nicht automatisch. Die Restschuldbefreiung wirkt nicht von selbst, sondern nach der Entscheidung des Gerichts. Verstöße gegen Obliegenheiten können zur Versagung führen (§ 296 InsO, Sparkasse).

Die drei Jahre sind der Regelfall, kein Automatismus. Wer seine Pflichten ab dem ersten Monat erfüllt, hat den einfachsten Weg zur Restschuldbefreiung.

Welche Schulden fallen nicht in Privatinsolvenz?

Ausgenommen sind Schulden aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung (§ 302 Nr. 1 InsO, Gesetz-Ratgeber). Auch vorsätzlich nicht gezahlte Unterhaltsschulden und hinterzogene Steuern bleiben nach Angaben der Sparkasse von der Restschuldbefreiung ausgenommen.

Was dem Schuldner nützt

  • Pfändungsstopp ab Eröffnung (§ 89 InsO)
  • Restschuldbefreiung nach drei Jahren im Regelfall
  • Stundung der Verfahrenskosten möglich

Was belastet

  • Abtretung pfändbarer Bezüge an den Treuhänder
  • Öffentliche Bekanntmachung im Internet
  • Ausgenommene Forderungen bleiben bestehen

Die Ausnahmen setzen Vorsatz voraus. Ein Kredit, den der Schuldner nicht zurückzahlen kann, fällt deshalb nicht automatisch unter die Ausnahmen.

Welche Nachteile hat man bei einer Privatinsolvenz?

Wer erfährt alles von einer Privatinsolvenz?

Die Insolvenz wird öffentlich bekannt gemacht (§ 9 InsO) und ist über das Internetportal der Länder einsehbar. Eintragungen im Schuldnerverzeichnis richten sich nach § 882b ZPO. Bei der SCHUFA wird die Restschuldbefreiung nach Angaben von Finanztip sechs Monate nach Erteilung gelöscht.

Wie lebt man mit Privatinsolvenz?

Im Alltag bedeutet das vor allem: Pfändbare Einkünfte fließen an den Treuhänder, Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel sind mitzuteilen, und eine Erwerbsobliegenheit besteht (Gesetz-Ratgeber).

Die Verbraucherinsolvenz dauert im Regelfall drei Jahre, zuzüglich der vorgelagerten außergerichtlichen Einigungsversuche.

Verbraucherzentrale, sinngemäß

Auskunfteien und Banken können die Kreditwürdigkeit einschränken. Wie stark das wirkt, hängt vom Einzelfall ab, und genau deshalb lohnt der Blick auf die Löschfristen vor dem nächsten Kreditantrag.

Die Folgen sind für den Alltag real, aber zeitlich begrenzt. Wer die Löschfristen kennt, plant den nächsten Kreditantrag besser.

Wie hoch sind die Kosten für eine Privatinsolvenz?

Die typischen Verfahrenskosten liegen laut Sparkasse bei ca. 2.000 bis 4.000 €. Ohne pfändbares Vermögen fallen nach Angaben von Finanztip mindestens rund 2.000 € Gebühren an, die sich aus der InsVV ergeben. Eine Privatinsolvenz ist nicht kostenlos: Gerichtskosten und Treuhändergebühren richten sich nach der Insolvenzmasse (t-online).

Die Verfahrenskosten sind bis zur Restschuldbefreiung gestundet (§ 4a InsO). Danach können Raten bewilligt werden, höchstens 48 Monate lang. Prozesskostenhilfe wird im Verfahren nicht erteilt.

Die Verfahrenskosten werden bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung gestundet; danach können Ratenzahlungen für die restlichen Kosten bewilligt werden.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, sinngemäß

Offen bleibt in den geprüften Quellen einiges:

  • Die Gesamtdauer bis zur Schuldenfreiheit mit Eröffnungsverfahren nennt ein Rechner-Portal mit ca. 3,5 bis 4 Jahren. Diese Angabe ist nicht belegt.
  • Konkrete Gebührenbeträge nach der InsVV fehlen in den geprüften Quellen.
  • Abweichende Pfändungsbeträge kursieren in den Quellen; maßgeblich bleibt der amtliche Text.

Wer die Stundung früh beantragt, verschiebt die Kostenlast auf die Zeit nach der Restschuldbefreiung.

Kurz gesagt: Der Treuhänder verwaltet die pfändbaren Bezüge über die Wohlverhaltensphase. Wer Pflichten verletzt, riskiert die Restschuldbefreiung.

Fazit

Wer das P-Konto früh einrichtet, pfändbare Einkommensteile pünktlich an den Treuhänder abtritt und jede Änderung von Wohnsitz oder Arbeitsplatz meldet, senkt das Risiko, dass das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung versagt.

Häufige Fragen

Wann beginnt die Abtretungsfrist?

Die Abtretungsfrist beginnt mit der Verfahrenseröffnung und endet nicht erst mit dem Abschluss des gesamten Insolvenzverfahrens (AmtsGuide).

Gilt die Drei-Jahres-Frist für alle Verfahren?

Nein. Für Anträge seit dem 01.10.2020 gilt in der Regel drei Jahre. Verfahren mit Antrag zwischen dem 01.07.2014 und dem 30.09.2020 waren im Regelfall auf sechs Jahre angelegt, vorzeitig nach drei Jahren bei Begleichung von 35 % der Schulden und Verfahrenskosten. Bei einem wiederholten Verfahren beträgt die Abtretungsfrist fünf Jahre (AmtsGuide).

Was passiert mit einer Erbschaft während der Wohlverhaltensphase?

Die Hälfte der Erbschaft muss an den Treuhänder abgegeben werden. Ein Lottogewinn ist in voller Höhe abzuliefern (§ 295 Nr. 2 InsO, Finanztip).

Kann man die Verfahrenskosten in Raten zahlen?

Die Kosten sind bis zur Restschuldbefreiung gestundet (§ 4a InsO). Danach können Raten bewilligt werden; die Höchstzahl liegt bei 48 Monaten (Bundesministerium der Justiz).

Wie lange ist die Restschuldbefreiung bei der SCHUFA sichtbar?

Laut Finanztip wird die Restschuldbefreiung sechs Monate nach Erteilung bei der SCHUFA gelöscht.

Gibt es Prozesskostenhilfe für die Privatinsolvenz?

Nein. Im Privatinsolvenzverfahren wird keine Prozesskostenhilfe erteilt (t-online).

Verwandte Beiträge: Brutto-Netto-Rechner Deutschland 2026: Nettogehalt berechnen · Prozentrechnung: Formeln, Beispiele und Tricks einfach erklärt

Profilillustration: Henry Harry Cooper Bennett

Henry Harry Cooper Bennett

Profil und Veröffentlichungen auf BerichtJournal.

Henry Harry Cooper BennettAlle Beiträge dieses Autors

Prüfung und Verantwortung

Für diese Artikelversion ist keine separate manuelle Faktenprüfung dokumentiert.

So prüfen wir Fakten und Quellen

Quellen und weiterführende Links

Diese Liste enthält die externen Links aus dem Beitrag. Ob ein Link eine konkrete Aussage belegt, ergibt sich aus seinem Kontext. Weiterführende und kommerzielle Links sind nicht automatisch Quellenbelege.

Faktenfehler melden

Weiterlesen.
Gezielt finden.

Durchsuchen Sie das Journal oder erfahren Sie mehr über das Angebot.